Fördern ist Prävention
Es ist eine wichtige Aufgabe jeder Gesellschaft, Kindern und Jugendlichen ein optimales Umfeld für eine positive Entwicklung zu bieten. Die Kinder und Jugendliche von heute lenken die Geschicke unserer Gesellschaft von morgen.
Was bewegt Kinder und Jugendliche? Was begeistert sie und lässt ihr Herz höher schlagen? Und was bereitet ihnen Schwierigkeiten?
Je nach Blickwinkel und Informationsquelle ergeben sich unterschiedliche Eindrücke. Wer sich ausschliesslich an den Schlagzeilen der Medien orientiert, nimmt die Jugend vor allem problembezogen wahr. „Die nahezu exklusive Aufmerksamkeit auf die Risikofaktoren verhindert den Blick auf den Schul- und Lebenserfolg unserer Kinder.“, betont jedoch Prof. Dr. Margrit Stamm und konstatiert zudem "eine von Defizitprognosen beherrschte Diskussion“. Zu einem ähnlichen Schluss kommen auch Der Schweizerische Kinder- und Jugendsurvey COCON und die AutorInnen des NFP52 (Nationales Forschungsprogramm 52. Kindheit, Jugend und Generationenbeziehungen), deren Studienergebnisse zeigen, „dass eine Mehrheit der Heranwachsenden in der Schweiz, entgegen der vorherrschenden Meinung, über ein hohes Mass an Mitgefühl verfügt und eine grosse Bereitschaft zeigt, Verantwortung zu übernehmen. Auch die Bereitschaft, sich anzustrengen, ist bereits bei 15-Jährigen hoch und steigert sich noch im jungen Erwachsenenalter.“
Kinder und Jugendliche müssen komplexe Entwicklungsschritte und viele Herausforderungen meistern – Erwachsenwerden ist immer auch eine Gratwanderung zwischen Risiko und Potenzial. Die Schweiz verfügt daher über ein stabiles Netz mit 6.000 Beratungsstellen, die Kindern und Jugendlichen helfen, die psychischen, sozialen und finanziellen Belastungen ausgesetzt sind – rund 15% aller Jungen sind darauf angewiesen. Daneben gibt es aber eine grosse Masse an jungen Menschen, die Schritt für Schritt selbstständiger werden, eigene Ideen entwickeln und auch verwirklichen möchten, ihren Platz in der Gesellschaft (er)finden und erobern.

- Jugendliche und Erwachsene im Gespräch an einem Jugend Mit Wirkungs-Tag
Jedes Kind ist einzigartig, lernt und entwickelt sich anders. Ziel einer ressourcenorientierten Kinder- und Jugendförderung ist es daher, die möglichen Schwächen zu verstehen und die Stärken nachhaltig zu fördern, also die Lösungskompetenz und das vorhandene Potenzial ins Zentrum zu stellen. Die Gesundheitsbehörden sind sich einig: Ein gesundheitsfördernder Ansatz ist vor allem dann wirksam, wenn bereits im Kinder- und Jugendalter Partizipation möglich ist. Menschen, die früh lernen, dass sie unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Bildungshintergrund etwas bewirken können und ernst genommen werden, verfügen grundsätzlich über bessere Bewältigungsstrategien in Krisen. Junge Menschen, die schon früh kleine Projekte realisieren, ihre eigenen Stärken und Möglichkeiten positiv erfahren, werden auch als Erwachsene vor grösseren Vorhaben nicht zurückschrecken und der Gesellschaft und Wirtschaft wertvolle Dienste erweisen: Sei das als Mitarbeiter/innen in einer verantwortungsvollen Position, durch Engagement in der Politik oder im Vorstand eines Vereins. Die Forschung bestätigt auch die Erfahrung aus dem Alltag: Jugendliche möchten eigene Erfahrungen machen und orientieren sich daher massgebend an gleichaltrigen Freundinnen und Freunden (= Peer Groups). Sie bieten den sozialen Raum, ausserhalb der Familie und der Schule andere Formen des Miteinanders zu erproben, Werte zu entwickeln, seine Identität zu finden und Anerkennung zu erfahren. Neben einem hohen Erlebnisfaktor bietet eine solche Peer Group auch Orientierung und emotionale Geborgenheit, indem die einzelnen Mitglieder sich gegenseitig (be)stärken. Krisenfeste und stabile Jugendliche übernehmen hier eine entscheidende gesellschaftliche Rolle, die nicht genug betont werden kann. Daraus lässt sich im Idealfall folgende Wirkungspyramide ableiten:
„Das Skript für Gesundheitsbiographien wird schon in jungen Jahren geschrieben“ betont Prof. Dr. Pasqualina Perrig-Chiello. Ein weiterer Grund, junge Menschen früh zu sensibilisieren für Eigenverantwortlichkeit und den Gestaltungsspielraum, der im gemeinsamen Lösen von Problemstellungen liegt. Ein Ansatz, den Infoklick.ch, Kinder- und Jugendförderung Schweiz, seit 1998 verfolgt. Unsere Kinder- und Jugendförderung wird nie die Intervention an der Spitze der Pyramide ersetzen. Sie kann aber mit diesem Ansatz, Kindern und Jugendlichen aus dem Mittelfeld der Pyramide den Umweg zu Integration und Wohlbefinden über die Spitze ersparen.





