1x1
Curriculum für Leiter/innen, die ehrenamtlich Jugendtreffpunkte betreuen.
In den letzten Jahrzehnten haben sich die Anforderungen an Jugendliche auf dem Weg zum Erwachsenwerden stark gewandelt. Die Räume sind eng geworden und somit auch die Freiräume. Der Ausbildungsweg hat sich verlängert und die Ansprüche an intellektuelle Fähigkeiten steigen in Schule, Beruf und Studium. Zudem beeinflussen neue Familienformen, hohe Mobilität und moderne Kommunikationsmittel die Entwicklungsprozesse der
Jugendlichen stark.
Was sich aber nicht verändert hat, sind die Entwicklungsaufgaben, die die Jugendlichen auf dem Weg zum Erwachsenwerden lösen müssen. Sie entwickeln ihre eigene Identität, probieren Grenzen aus und lösen sich vom Elternhaus schrittweise ab. In den letzten Jahrzehnten haben sich unsere Gesellschaft, die sozialen Strukturen, die Mobilität, das Bevölkerungswachstum, die Kommunikation und die familiären Strukturen stark verändert. Viele traditionelle gesellschaftliche Instrumente wie das Vereinswesen, die soziale Kontrolle in ländlichen Regionen oder das Schulwesen können heute nur begrenzt auf die gestiegenen gesellschaftlichen Herausforderungen Einfluss nehmen.
Seit den 80er Jahren entstanden verschiedene Professionen wie die Jugendarbeit, die Schulsozialarbeit oder die Jugendpolizei, die die positive Entwicklung der Jugendlichen ausserhalb der Familie, der Schule oder des Vereinsangebots unterstützen. Diese Angebote sind in der Regel freiwillige Leistungen der Gemeinde oder des Kantons. Sie sind primär in Ballungsgebieten (Städte und Agglomerationen) mehr oder weiniger gut ausgebaut.
Instrumente der Jugendarbeit werden aber auch in ländlichen Regionen aufgebaut und angeboten. Als ein wichtiges Element gilt dabei der Jugendtreff. In ländlichen Regionen macht man aus der Not eine Tugend und setzt mangels finanziellen Mitteln an Stelle von professionellem Personal ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein.
Dieser pragmatische Weg ist sinnvoll und bewährt sich an den meisten Orten sehr gut. Diese Jugendtreffleiterinnen und Jugendtreffleiter sind oft auf sich alleine gestellt. Sie werden mit Problemstellungen konfrontiert, die sie fordern und überfordern:
- zwischenmenschliche Fragen (Leitungsaufgaben, Konflikte etc.)
- persönliche Fragestellungen (Rolle, Auftreten etc.)
- rechtliche Fragen (Verantwortung, Alkoholausschank, etc.)
- betriebliche Fragen (Hygiene, Versicherungen, etc.)
Infoklick Ostschweiz wurde in den letzten zwei Jahren oft nach Unterstützung in verschiedensten Themenbereichen rund um Jugendtreffpunkte, die ehrenamtlich geleitet werden, gefragt. Wir haben uns deshalb entschlossen, für ehrenamtlich Engagierte in Jugendtreffpunkten ein ‚1x1‘ zu entwickeln. In einem Curriculum werden die wichtigsten rechtlichen, methodischen, didaktischen und weitere für die Jugend relevante Themen behandelt. Gleichzeitig lernen sich die Akteure kennen und bauen ein wertvolles Netzwerk auf. Dort können die Erfahrungen gegenseitig als ‚best practice‘ ausgetauscht und weitergegeben werden.
Wir haben als Situationsanalyse Gespräche geführt. Ehrenamtlich tätige Jugendliche und Erwachsene, die in einem Jugendtreffpunkt mitarbeiten sowie Jugendverantwortliche von Gemeinden und Fachpersonen wurden zu ihren Tätigkeiten befragt. Zusätzlich haben 12 Personen einen Fragebogen zum Projekt 1x1 beantwortet. Es hat sich klar gezeigt, dass dieses Projekt auf grosses Interesse stösst. Aus den Befragungen konnte herauskristallisiert
werden, welche Inhalte für potentielle NutzerInnen von besonderer Wichtigkeit sind. Wir haben diese gebündelt in den Inhalt der Workshops einfliessen lassen.






