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Interview mit Andi Geu

Andi Geu vom NCBI Schweiz (Foto: U. Nusko)
Foto von Andi Geu

Andi Geu ist Co-Geschäftsleiter von NCBI Schweiz und hat mit allrights.org und YouReport zusammen das Projekt Film2Action initiiert.

allrights.org: Andi, du bist Co-Geschäftsleiter von NCBI Schweiz. Kannst du die Idee von NCBI Schweiz kurz zusammenfassen?
Andi Geu: NCBI Schweiz existiert seit fast 25 Jahren und setzt sich ein gegen Vorurteile und für eine konstruktive Konfliktlösung. NCBI versucht praktisch zu ermächtigen und zu unterstützen, wo die Not und der Stress am grössten sind.

Was waren die grössten Erfolge, die du mit NCBI feiern konntest?
In dieser Zeit gab es viele Erfahrungen, die mich gefreut und zum Weitermachen motiviert haben. Im Bereich Gewaltprävention sind es wohl zwei Punkte, die es hervorzuheben gilt: zum einen die Peacemaker-Schulen, die es seit 20 Jahren in der ganzen Schweiz gibt, in denen Kinder und Jugendliche mithelfen, die Schulkultur hinsichtlich Konflikten positiv zu verändern; zum anderen die fast 1000 Kurse, die wir für Zivildienstleistende geben konnten, um sie auf ihre Einsätze im Sozialbereich vorzubereiten.

Beim Abbau von Vorurteilen und der Förderung der Integration freut es mich besonders, dass sich NCBI über die Jahre immer wieder für besonders verletzliche Gruppen eingesetzt hat: Ende der 90er-Jahre z.B. für die bosnischen Jugendlichen, die wieder in ihre Heimat geschickt werden sollten; heute nun für Geflüchtete und insbesondere UMAs aus Eritrea, Afghanistan, Syrien und weiteren Ländern.


Mit welchen Herausforderungen bist du momentan mit NCBI Schweiz konfrontiert?
Wir sind mit diesen Herausforderungen nicht alleine: aber in der Schweiz wird im Moment von vielen Seiten mit Vorurteilen und Ängsten Politik gemacht – und immer wieder zahlt sich das aus. Wie über Geflüchtete, Frauen in exponierten Positionen, Angehörige von religiösen Minderheiten, aber auch Polizist*innen geredet wird, strotzt oft vor Hass, Gewalt und Geringschätzung – nicht nur in sozialen Medien. Die Hemmschwelle, Menschen, die als „anders“ wahrgenommen werden, zu entmenschlichen und als Feind*innen zu betrachten, ist gesunken. Diese Entwicklung macht mir Sorgen für die Zukunft.
Ausserdem beschäftigt NCBI dieses Jahr die strukturelle Diskriminierung besonders stark. Es gibt in der Schweiz wenig Einsicht in die Tatsache, dass Diskriminierung nicht nur dann vorliegt, wenn Einzelne mit Absicht andere Menschen verletzen wollen. Dieses Thema wollen wir verstärkt aufgreifen.

Wie wird es in der Schweiz in fünf Jahren aussehen in Anbetracht der Themen Rassismus, Diskriminierung, Toleranz und Gewaltprävention?
Vor 25 Jahren gab es in der Schweiz kaum NGO’s, Bewegungen und Initiativen, die Rassismus thematisiert haben. Dies hat sich zum Glück sehr stark verändert. Es gibt heute breiten und vielseitigen Widerstand gegen Rassismus und viel mehr Empowerment und Solidarität mit direkt Betroffenen. Gleichzeitig scheinen aber auch die Gräben tiefer geworden zu sein.

 

Ich hoffe, dass es uns gelingen wird, dass diese Gräben – aber natürlich auch die Angst vor- und der Hass gegeneinander - in fünf Jahren kleiner sein werden. Die Schweiz definiert sich seit jeher als vielsprachiges, multiethnisches Land: sie hat die Ressourcen und die Tradition, dies weiterhin und für alle zu sein, die hier leben.

Mit welchen Organisationen und Institutionen arbeitet ihr bei NCBI Schweiz zusammen? Was sind deine Erfahrungswerte bezüglich Kooperationen?
NCBI ist keine grosse Organisation: um eine Wirkung erzielen zu können, ist es für uns – wie für die gesamte antirassistische und feministische Bewegung – wichtig, mit gleichgesinnten Organisationen, aber auch mit Institutionen der Regelstruktur zusammenzuarbeiten. Oft findet diese Zusammenarbeit nicht statt, weil so viele von uns oft mit (zu) knappen Ressourcen operieren müssen und es schnell so aussieht, dass diese Kooperationen zuerst anstrengend sind, weil man einen gemeinsamen Nenner, eine gemeinsame Sprache, finden muss. Meiner Erfahrung zufolge lohnt es sich aber, diese Gespräche zu führen, weil wir zusammen stärker sind – und in der Isolation viel schneller ausbrennen und resignieren. Damit das klappt, braucht es Vertrauen und Beziehung zwischen den Beteiligten; das ist der Schlüssel jeder erfolgreichen Zusammenarbeit!

Wie hast du die Zusammenarbeit mit allrights.org während des Projekts Film2Action empfunden?
Sehr gut! Und der Schlüssel dazu war, wie bereits oben erwähnt, dass wir uns nicht nur die Zeit genommen haben, ein Projekt zu planen, sondern dass auch die zwischenmenschliche Chemie und das Vertrauen zwischen allen Beteiligten stimmen. Das war für die Zusammenarbeit zentral. So „fägt“ die Arbeit am Projekt mehr – und wenn dann doch einmal eine Irritation vorliegt, kann sie auch besprochen werden, ohne dass gleich alles auf dem Spiel steht.

Welcher Moment ist dir besonders positiv in Erinnerung geblieben während des gemeinsamen Projekts Film2Action?
Ich fand es toll zu sehen, wie schnell diese vielfältige Gruppe schon im Laufe des ersten Workshops Ende Februar zu einem Team, zu einer Einheit zusammengewachsen ist. Wie enthusiastisch und motiviert, aber auch seriös und kompetent die Arbeit am Filmprojekt dann aufgenommen und durchgezogen wurde, das war beeindruckend.


Was wünschst du dem Team von Film2Action für die Zukunft?

Zum einen wünsche ich uns allen, dass wir viele Möglichkeiten finden, den entstandenen Film auch nach der Première vom 24. Mai zu zeigen. Es wäre super, wenn sich dieses Bijou nicht einfach in den unendlichen Weiten des Internets verlieren würde. Zum anderen wünsche ich allen, die sich im Projektteam engagiert haben, dass ihnen die Zusammenarbeit und das Gelernte dabei helfen, ihren Weg so selbstbestimmt und zufriedenstellend zu gehen.

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