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Braucht die Schweizer Jugend ein neues Fördergesetz?

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Bei bestem Wetter und in gemütlichen Rahmen bei Bier, Brezeln und Jasskarten wurde am Abend des zweiten Tages der Sommerakademie über das neue Kinder- und Jugendförderungsgesetz diskutiert. Zu Beginn stellte Moderator Dominik Büchel von advocacy die provokative Frage „Braucht die Schweiz nicht vielmehr eine neue Jugend oder anders gefragt: Braucht die Jugend eine neue Schweiz?“ Infoklick.ch hat einige Stimmen aus dem Podium aufgegriffen.

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Auf dem Podium des sogenannten „Biergarten Talk“ sassen Petra Baumberger, die Co–Geschäftsleiterin der SAJV, der Soziologe Ueli Mäder sowie SVP-Kantonsrat Peter Renggli (OW). Die vierte wichtige Partei der Diskussion war das engagierte und interessierte Publikum.  Durch eine Abstimmung wurde deutlich, dass sich zwar die meisten Anwesenden für das neue Kinder- und Jugendförderungsgesetz aussprechen, viele aber wenig Vorwissen über die Gesetzesvorlage mitbringen. Tina Hofmann, Vertreterin des Bundesamtes für Sozialversicherungen erläuterte, was sich mit dem neuen Gesetz ändern würde: Neu sind die drei Bereiche Schutz, Förderung und Partizipation definiert. Da Jugendliche aus bildungsfernen Schichten sich oft nicht in Jugendverbänden, sondern vor allem in Institutionen der offenen Jugendarbeit aufhalten, wird neu auch diese in das Jugendförderungsgesetz mit einbezogen. Zudem soll auch das Budget von 7 Millionen auf 10 Millionen Franken jährlich aufgestockt werden.

Elena Konstantinidis
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Elena Konstantinidis, Geschäftsführerin des Dachverbands Offene Jugendarbeit, äusserte sich wie folgt: „Der Bund möchte neu nicht nur die professionelle offene Jugendarbeit im engeren Sinn vermehrt fördern, sondern auch innovative Formen. Dazu gehören wiederum Organisationen und Initiativen von freiwillig engagierten Jugendlichen und Erwachsenen. Beim jetzigen Jugendförderungsgesetz ist es für alle schwer zu profitieren, es entsteht eine gewisse Art Konkurrenz, obwohl dies niemand will. Wichtig finde ich, dass auf allen drei Ebenen - Bund, Kantone, Gemeinden - Verantwortung übernommen wird und alle heute vorhandenen Formen der Jugendförderung einander ergänzen und zusammenarbeiten. Das neue Gesetz ist daher ein wichtiges Signal.“

 

Thomas Gander von Fanarbeit Schweiz warf im Verlaufe der Diskussion die Frage auf, ob es wirklich nur ein neues Gesetz brauche, oder ob der Diskurs nicht viel weiter gehen sollte. Diese Frage gab die Stossrichtung für den weiteren Verlauf der Diskussion vor. So wurde nicht nur über das Förderungsgesetz und Jugendförderung diskutiert, sondern auch über Werte, die den Jugendlichen vermittelt werden sollten. Werte würden von Erwachsenen oftmals nicht mehr vorgelebt werden. Im Gegenteil: Von Rücksichtslosigkeit werde auch noch profitiert. Oder wie Ueli Mäder es ausdrückte: „Für Rücksichtslosigkeit werden Bonis ausbezahlt!“ Deshalb sei es wichtig, so Ueli Mäder, dass nicht nur über Gesetze gesprochen werde. Denn die gesellschaftlichen Probleme, die auch Jugendliche in ihrer Entwicklung behinderten, gingen viel weiter.

Sandra Meier
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Viel Diskussionsbedarf bestand auch bei der Frage von Dominik Büchel, was im Alltag der Jugendarbeitenden gebraucht werde oder was geändert werden müsste. Yvonne Bissig von Infoklick.ch wünschte sich, dass die Gemeinden mit ihren Anliegen ernster genommen würden und dass die Bürokratie verringert werde, damit mehr Energie für die Jugend bleibe. Sandra Meier von Klartegscht! sprach sich zudem dafür aus, dass auch die Jugend selbst mehr ernst genommen werden sollte: „Wenn ich ein Gesuch für ein Projekt eingebe, entsteht bei den Stiftungen oft eine gewisse Skepsis wenn sie sehen, dass nur Jugendliche im Vorstand sind. Ich verstehe das nicht, denn schliesslich soll doch die Jugend gefördert werden. Auch finde ich übrigens das Schlussstatement von Ueli Mäder sehr wertvoll: Bevor die Jugend effektiv gefördert werden kann, muss die Sinnfrage der Jugendlichen geklärt werden.“ Peter Renggli wiederum wünschte sich von Seiten der Politik her, dass die Gemeinden autonom agieren können und sich der Bund nicht zu stark einmischt.

David Pfulg
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Das Fazit der Diskussion: Es sprechen sich zwar fast alle für das Jugendförderungsgesetz aus, allerdings ist es für viele nicht wirklich fassbar. So auch für den Fachstellenleiter der Jugendarbeit Graubünden David Pfulg: „Für mich ist bei der Diskussion herausgekommen, dass der Diskurs über das neue Jugendförderungsgesetz weit weg von den Leuten ist. Ich fände es spannend, die Frage „Ja oder Nein zum neuen Jugendförderungsgesetz“ den Jugendlichen selbst zu stellen und ihre Reaktionen darauf zu beobachten. Ich denke, viele warten einfach einmal ab, was das Gesetz dann wirklich bringt.“

 

Die Diskussion unter freiem Himmel hat auf jeden Fall viele wertvolle Fragen und Statements zum Thema Jugendförderung hervorgerufen. Die Teilnehmenden sind gespannt, wie es weitergeht, wenn die Gesetzesvorlage im Herbst ins Parlament kommt.

 

Informationen zum Jugendförderungsgesetz

"Der Bundesrat schickte den Vorentwurf zur Totalrevision des Bundesgesetzes über die Förderung der ausserschulischen Jugendarbeit in die Vernehmlassung. Mit dem vorgeschlagenen neuen Gesetz will der Bundesrat offene und innovative Formen der ausserschulischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen stärker fördern, die Kantone beim Aufbau und bei der Weiterentwicklung ihrer Kinder- und Jugendpolitik unterstützen sowie den Informations- und Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit mit den kinder- und jugendpolitischen Akteuren verstärken.
Die Vernehmlassung dauerte vom 1. Oktober bis zum 15. Januar 2010."

 

Quelle: Bundesamt für Sozialversicherungen

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