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„Gipfel meint Exzellenz, Stürmer meint Charakter“

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Damit ein Kind zur Gipfelstürmerin oder zum Gipfelstürmer werden kann, braucht es laut Prof. Dr. Thomas Zeltner mehr als die Unterstützung der Eltern und der Schule. Der ehemalige Direktor des Bundesamtes für Gesundheit, Fellow an der University of Harvard, plädierte in seinem Eröffnungsreferat für eine ganzheitlichere Bildung.

Ganz ihrem Motto getreu begann die Sommerakademie 2010 auf einem Gipfel: Im Bergrestaurant Ristis, hoch über Engelberg, eröffnete Prof. Dr. Thomas Zeltner mit seinem Referat die Diskussion um die Frage, was es denn braucht, damit jemand zum Gipfelstürmer heranwächst. „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“, so der Titel von Zeltners Referat. In leicht abgewandelter Form bringt dieses afrikanische Sprichwort Zeltners These auf den Punkt: Es braucht mehr als eine Institution, um ein Kind umfassend zu bilden. Für Zeltner ist klar, dass sich Familien, Schulen und Gemeinden zusammentun müssen, damit aus Kindern erfolgreiche Erwachsene und vielleicht sogar Gipfelstürmer werden. Wie diese umfassende Bildung aussehen könnte, erforscht der frühere BAG-Direktor im Moment an der Universität Harvard.

 

Liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Kindheit?

Um ganz nach oben zu kommen brauche es, so Zeltner, sowohl Exzellenz als auch Charakter. Der Gipfel steht dabei für das Erste, der Stürmer für das Zweite, oder wie Zeltner sagte: „Gipfel meint Exzellenz, Stürmer meint Charakter“. Zeltner argumentierte, dass in auffällig vielen Biografien die ersten Jahre des Lebens eine entscheidende Rolle für das spätere Leben spielen – mitunter auch schwierige erste Jahre, wie er anhand zweier Beispiele aus dem Buch True North aufzeigte. In diesem amerikanischen Bestseller schildern 125 Führungspersönlichkeiten ihren Weg an die Spitze. Auffallend an einem Grossteil dieser Lebenswege ist laut Zeltner die Tatsache, dass sie mit traumatischen Erlebnissen begannen. Er wies in seinem Referat darauf hin, dass sowohl die Unternehmerin und Talkmasterin Oprah Winfrey als auch der ehemalige CEO von Novartis, Daniel Vasella, eine von viel körperlichem und seelischem Leid geprägte Kindheit hatten. Beide entwickelten dadurch laut eigener Aussage den Wunsch, sich als Erwachsene stark für eine Sache zu engagieren. Zeltners Beispiele zeigen, dass sich die Motivation, einen Gipfel zu stürmen, aus ganz unterschiedlichen Quellen speisen kann.

 

Bildung ist auch Charakterbildung

In der Schule, so Zeltner, werde noch immer vor allem Lesen, Schreiben und Rechnen gelehrt. Die Frage, die dabei zum Teil ausser Acht gelassen werde sei: „Welche Fähigkeiten brauchen Jugendliche, um in einer vernetzten globalen Welt wirklich erfolgreich zu sein?“ Zeltners Forschungsergebnisse aus Harvard deuten darauf hin, dass die Bildung des 21. Jahrhunderts ganzheitlicher werden muss, damit junge Menschen optimal auf das spätere Berufsleben vorbereitet werden. Verständnis für kulturelle Differenzen, die Fähigkeit zur interkulturellen Kommunikation sowie die Kenntnis historischer und geografischer Fakten sind für Zeltner dabei zentral. Eine Gipfelstürmerin oder ein Gipfelstürmer müsse sowohl über diese drei Kompetenzen als auch über Exzellenz und Charakter verfügen, erst dann könne man von einer umfassenden Bildung sprechen. Eine Institution wie die Schule kann diese Charakterbildung nicht alleine gewährleisten, es braucht, wie der Titel von Zeltners Referat andeutet, ein ganzes Dorf.

Um wichtige Werte wie Aufrichtigkeit und Solidarität zu vermitteln, ist die Familie ebenso gefordert wie Lehrpersonen oder Mitglieder einer Gemeinde. Denn: Selbst die grösste Begabung und die höchste fachliche Kompetenz führen nicht zum Erfolg, wenn jemand schwere charakterliche Defizite habe, so Zeltner. Seine Vision einer umfassenden Bildung, die aus Kindern Gipfelstürmer macht, ist ebenso sozial wie akademisch und findet nicht nur in der Schule, sondern auch auf dem symbolischen Dorfplatz statt.

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