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Nachhaltigkeit und Integration: die Rolle der Zivilgesellschaft

Globalisierung, Klimaschutz, Mobilität, Energieversorgung, demographischer Wandel – die Liste der grossen Herausforderungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft des 21. Jahrhunderts ist lang. Thomas Kessler, Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt, behandelt das Thema der Nachhaltigkeit aus der Sicht der Integration und insbesondere der Frühintegration. Ein Bericht.

 

Die Nachhaltigkeit: ein Begriff

Der Terminus Nachhaltigkeit wird heute in vielen Zusammenhängen gebraucht, häufig aber auch als Leerbegriff. In diesem Kontext lohnt es sich, vor allem die nachhaltige Entwicklung näher zu betrachten. Gro Harlem Brundlandt, Vorsitzende der Brundtland-Kommission an der UNO, verwendete den Begriff zum ersten Mal 1987 in ihrem Bericht Our Common Future: "Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können."

 

Seit 1997 legt die Schweiz eine Strategie zu ihren politischen Absichten bei der Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung in der Schweiz fest. In der Strategie Nachhaltige Entwicklung 2002 werden drei Kriterien zur Konkretisierung der anzustrebenden Ziele definiert. Es sind dies "ökologische Verantwortung, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und gesellschaftliche Solidarität", welche oft in drei Kreisen dargestellt werden, und wo die Schnittstelle die Nachhaltigkeit kennzeichnet (siehe Grafik).

 

Thomas Kessler, Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt, zieht an der Sommerakademie 2012 Bilanz seiner früheren Arbeit als Leiter des Basler Integrationsmodells. Dieses Programm beinhaltete Fördermassnahmen für integrationswillige Ausländer, aber auch scharfe Sanktionen für unwillige. Unter dem Grundprinzip "vorbeugen statt beheben", welches er im Rahmen des Integrationsmodells entwickelt hatte, stellt er eine "Vision 2018 für eine Junge Schweiz" vor. Auf 16 Seiten behandelt er die Grundthemen der nachhaltigen Entwicklung im Hinblick auf die Schweiz.

Vorbeugen statt Probleme beheben

Die Schweiz sei ein Musterbeispiel für viele Länder: hervorragende Wirtschaft, Dienstleistungen und Forschung. Dennoch sei die angestrebte Chancengleichheit noch nicht erreicht, und gerade im Fall der Integration hat sich das Team von Thomas Kessler mit dieser Thematik befasst. "Integration heisst", sagt Thomas Kessler, "die Gesellschaft zusammen zu bringen, und so die Chancengleichheit umzusetzen".

Und genau um diese Chancengleichheit umzusetzen, ist er der Ansicht, es brauche eine Umkehrung der politischen und gesellschaftlichen Leitbilder; es soll nicht mehr "reagiert" werden, sondern "agiert" – und dies frühzeitig, um den Problemen vorzubeugen. Mit seinem Konzept der Frühforderung findet dieser Grundsatz  Anklang.

Die Frühförderung

Man spricht immer mehr über Schulprobleme, Jugendgewalt oder Jugendarbeitslosigkeit. Das Basler Integrationsmodell hat anhand statistischer Stichproben herausgefunden, dass frühzeitige Fördermassnahmen viel billiger und effektiver sind, als das Eingreifen bei Problemen, zum Beispiel wenn sich Jugendliche Stützkursen, Schulsozialarbeit oder gar einem Strafvollzug unterziehen müssen. Es geht also darum, dem Kind eine normale sprachliche, mentale und motorische Entwicklung zu garantieren, und das schon im Vor-Kindergarten-Alter. Denn genau in diesem Alter spielen sich viel soziale Kompetenzen ab, die, wenn sie nicht dort gefordert würden, später fehlen, und dies bei 90% der Kinder ein Leben lang. "Frühforderung heisse nicht 'frühen Geigenunterricht' oder 'Frühchinesisch', sondern lediglich, dass die basischen sozialen Kompetenzen da sind", erklärt Thomas Kessler. "Es gibt zum Beispiel Kindergärten, die sich mit Treppen ausstatten müssen, weil die Kinder nie gelernt haben, eine Treppe zu besteigen: sie sind es gewohnt, den Aufzug zu nehmen."

Die Rolle der Zivilgesellschaft

"Nicht nur die Kinder- und Jugendpolitik soll dynamisch und innovativ sein, die ganze Schweiz soll ihr grosses Potential für eine beispielhafte Zukunftsgestaltung erkennen und schon heute die Herausforderungen und Chancen mit mutigen Entscheiden angehen", schreibt Thomas Kessler weiter. Mit Themen wie internationale Solidarität, Sicherheit oder Finanzen, welche den vorher genannten drei Kriterien der Nachhaltigkeit entsprechen, entwickelt Thomas Kessler ein Konzept, das einen Beitrag von jedem fordert. So hatte es schon Hartmut Bossel 1998 beschrieben: "Es gibt keinen einzigartigen Zustand der Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit habe physische, materielle, ökologische, ökonomische, soziale, kulturelle, psychologische und ethische Dimensionen. Nachhaltigkeit ist ein globales und fortdauerndes Projekt, das grosse und kleine tägliche Beiträge von fast jedem erfordert. Dies mag jetzt wie ein unmögliches Unterfangen erscheinen. Aber da wir keine andere Wahl haben, ist es einfach die natürlichste Sache der Welt. In einigen Jahrzehnten werden unsere Enkelkinder sich fragen, warum dies alles im Anfang so schwierig zu sein schien."

 

Vision 2018 für eine Junge Schweiz

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