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Living Library: Menschen erzählen ihre Geschichte

Auch Menschen haben Geschichten. In der "Living Library", der lebendigen Bibliothek, agieren Personen als "Bücher". Die Idee: Eine Gruppe pickt sich ein "Buch" aus der Bibliothek und es dürfen während 25 Minuten alle Fragen gestellt werden.

Auf dem "Buchumschlag" gibt es kaum Informationen – alles, was man über eine Person wissen will, muss erfragt werden. Gefragt werden darf dabei alles – nur trauen muss man sich! Bei manchen "Büchern" schiessen die Fragen wie aus der Pistole, bei anderen sind die Teilnehmer*innen eher verhalten. Verständlich: Schliesslich sind persönliche Fragen auch immer eine Frage der Intimität.

 

1. Eva
"Die Mehrheit des Jahres verbringe ich im Ausland. Reisen ist meine Leidenschaft, pure Neugier treibt mich an. Gleichzeitig arbeite ich als freie Journalistin. Was mir die Schweiz bedeutet? Sie ist mein Hafen. Was mir diesbezüglich über mich selbst aufgefallen ist: Im Ausland bin ich lustigerweise viel patriotischer als in der Schweiz. Durch das Reisen habe ich zum Thema Armut einen besonderen Bezug entwickelt – ich war bereits in vielen Entwicklungsländern. Doch: Nur weil jemand weniger Geld hat, geht es ihm nicht unbedingt schlechter. In der Schweiz sind, etwas überspitzt gesagt, viele Menschen finanziell reich, aber sozial verarmt."

 

2. allrights.org/woman only
"Was uns vier miteinander verbindet? Wir gehen alle gemeinsam an einen Frauentreff. Jedes Mal unternehmen wir etwas Neues: Egal ob reden, kochen oder tanzen. Auch Theater-Workshops machen wir gerne. Wir spüren eine Energie, wenn wir uns im Treff unterhalten. Wir schöpfen dabei neue Kraft. Warum es überhaupt eine reine Frauengruppe braucht? Es entwickelt sich eine ganz andere Dynamik, wenn man "unter sich" ist. Zudem schafft man dadurch einen Schutzraum. Denn die Welt wird immer noch vom Patriarchat geprägt. Es ist schön, zwischendurch nur unter Frauen zu sein."

3. Michael
"Die beste Medizin sind soziale Kontakte. Da spreche ich aus Erfahrung. Ich selbst habe schwere Schicksalsschläge erlebt. Wie ich mit diesen Rückschlägen umgehe? Ich setze einerseits auf meinen Freundeskreis. Interessanterweise ruft oft immer genau dann ein Kollege an, wenn ich Unterstützung am meisten brauche – solche Gespräche stärken mich sehr. Ausserdem führe ich ausführlich Tagebuch. Das Schreiben hat mir schon immer geholfen, Erfahrungen zu verarbeiten. Gute Erlebnisse gibt es natürlich auch, die sind genau so wichtig und lehrreich, sie ermuntern mich. Durch all diese Erfahrungen, ob negativ oder positiv, hat sich meine Offenheit sehr gesteigert."

5. Roger
"Ich war 22 Jahre obdachlos. Jetzt habe ich eine kleine Wohnung, doch ich schlafe immer noch auf dem Balkon. Denn ich vermisse den gewohnten Lärm in meiner Wohnung. Nun, i bi scho immer ä komische Siech gsi! Was mein Buchtitel ist? Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Und der Untertitel: Es gibt kein Problem, welches ich nicht ignorieren kann. Das ist auch mein Lebensmotto: Es ist wichtig, dass du deine Maulwinkel immer oben hast. Wenn du es schaffst, jeden Tag einen Menschen zum Lächeln bringst, dann wird dieser sein Lächeln weitergeben. Wie eine Epidemie!"

6. Christoph
"Es geht mir gut. Das mag eine simple Aussage sein – für mich hat sie aber eine viel tiefere Bedeutung. Ich habe früher 15 bis 16 Stunden am Tag gearbeitet. Mein Leben bestand im Prinzip nur noch aus Arbeit, Essen und Schlaf. Nach meinem Burn-out musste ich mein Leben umkrempeln. Inzwischen weiss ich: Sobald ich Stress habe, sendet mir mein Körper Signale. Heute kenne ich meine Grenzen und weiss genau, wie belastbar ich bin. Der Zukunft kann ich nun gelassen entgegen sehen.
Wenn ich pensioniert werde, möchte ich mit dem Fahrrad von Derendingen in Solothurn bis nach Paris fahren. Ganz ohne Stress. Mir spielt es keine Rolle, ob ich für diese Strecke fünf Tage oder drei Wochen brauche."

Schauspielerin Sandra Löwe eröffnet die Living Library und erklärt, wie die Ausleihe funktioniert. Sitzen wie die Politiker*innen: Im Gemeinderatsaal Solothurn. Sprechende Bilder: Die Wandbilder erzählen Solothurner Geschichte. Weitgereist und vielseitig: Living Book Eva. Eva an der Living Library an der Sommerakademie 2019. Ihr Lieblingsplatz: Die jungen Frauen von allrights.org auf dem Bootssteg des Landhauses. Die Mädels vom Frauentreff erzählen, warum für sie women only so wichtig ist. Keine zu klein, dabei zu sein: Auch Lou, die Tochter von Moderator Daniel Oppliger, macht mit. Ein lauschiger Platz samt Plätschern des Springbrunnens - Living Library im Park. Michael berichtet vom Café mondial und seiner Vision. Living Book mit vielen Seiten: Michael. Die grossen Tore des Landhauses sind weit aufgesperrt - genauso offen antwortet Roger. Schlagfertig, humorvoll und mit viel Lebenserfahrung: Living Book Roger. Mit Blick auf die Gasse erzählt Roger vom Leben auf der Strasse. Living Library, Sommerakademie 2019. Eine Living Library bietet tiefe Einblicke und heitere Momente. Wie war das genau? Christoph geht auf alle Fragen ein. Alles im Fluss - draussen und drinnen. Living Library, Sommerakademie 2019. Living Book Christoph.

(Text: Mirjam Lenherr und Riccardo Schmidlin, Skizzen: Paula Weimann, Bilder: Raphael Hünerfauth)

 

 

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